|
Altläufersommer in Münster |
|
|
Der
2. Volksbank-Münster-Marathon, von den TeilnehmerInnen liebevoll „MüMa“
genannt, erhält von mir die Note 1+++ - ein + für die Veranstaltung und
ihre Organisation, ein + für die begeisterten Zuschauer und das letzte +
für das superschöne Wetter. Aber
von vorne: Petrus
meinte es einmal mehr gut mit den Münsteranern und ihren Gästen.
Strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen und Sonne und das bereits
am Samstag, so daß die Nudelparty wieder im Freien stattfinden konnte –
eine echte und schöne Alternative zu den lauten und teils stickigen
Hallen anderer Veranstaltungen. Die Pastapreise waren mit € 2,50 für
Marathonis und € 3,50 für Nichtläufer in diesem Jahr auch deutlich
erschwinglicher als 2002. An der Startnummernausgabe lief alles
reibungslos und schnell. Kein Wunder, denn die vielen Schalter hatten
bereits am Freitag geöffnet, was viele Eingeborene dazu nutzten, ihre
Unterlagen vorm Eintreffen der Touris abzuholen. Im Kleiderbeutel: Infos
zu anderen Läufen, kleine Giveaways, Schwämme (auch wenn die im einen
oder anderen Beutel fehlten, aber das kann man unter „in der Hitze des
Gefechts“ abhaken), ein ausführlicher Marathonguide, der keine Fragen
offen läßt. 26 Marathonis hatten noch eine Zusatzüberraschung bei ihrer
Startnummer. Diese 26 waren nämlich Geburtstagskinder des 14. September
und konnten sich nach ihrem Zieleinlauf eine Geburtstagstorte abholen. Der
Blick aus dem Fenster verhieß auch am Sonntagmorgen nur Gutes. Aufgrund
von Interventionen des Domkapitels zu Münster mußte die Startzeit von 9
h im Vorjahr auf 11 h verlegt werden. Es gibt im regelungsreichen
Deutschland eine Festtagsverordnung, die Veranstaltungen vor 11 h an Sonn-
und Feiertagen nicht vorsieht und wenn ein Kläger, dann auch ein Richter.
Schade, denn wahrscheinlich auch aufgrund des Wetters hatten schon über
800 der ca. 4.800 angemeldeten Teilnehmer ihre Startunterlagen gar nicht
abgeholt – ins Ziel kamen letztlich insgesamt 3.615, die Ausfallquote
derer, die angetreten waren, ist damit nicht allzu hoch und mit Sicherheit
im Bereich des Normalen. Es wurde zwar warm unterwegs, aber die
Temperaturen kamen bei Weitem nicht an die von 2002 heran. Dazu wehte
meistens ein angenehmes Lüftchen – optimales Wetter für Läufer und
Zuschauer: frieren mußte niemand AN der Strecke und totgeschwitzt hat
sich AUF der Strecke sicher auch niemand – auch wenn vereinzelte Stimmen
zu hören waren, daß es für die, die wirklich am Limit liefen, teilweise
schon recht heiß wurde. Mit den Marathon-Hitzeschlachten des Frühsommers
hatte das in Münster aber weiß Gott nichts zu tun und man konnte sich
vorm kommenden Herbst den vielleicht letzten Bräune-Schliff der Saison
holen. Die
Anreise nach Münster-City morgens um 9 h: problemlos. Der große
Parkplatz direkt am Start war auch zum Ende hin wohl noch nicht voll
besetzt. Schade, daß der Parkplatzbetreiber, eine Behindertenwerkstatt,
hier noch zusätzlich ihre Hand aufhielt, aber das ist wohl dem Gesetz der
leeren Kassen zuzuschreiben, normalerweise wird hier sonntags nicht
kassiert. Mit 3 € Parkgebühr für den ganzen Tag kann man aber auch
leben. Und wenn’s dann noch für einen guten Zweck ist... Viele LäuferInnen
hatten ihre Fanclubs gleich mitgebracht und so stiegen nicht nur
Marathonis aus den Autos, sondern ganze Gruppen, die Fans mit dem üblichen
Krachmaterial bewaffnet – und viele auch mit Fahrrädern. Münster ist
eine, wenn nicht DIE Fahrradstadt in Deutschland und das machen sich auch
die Fans zunutze. Die Strecke bietet sich auch förmlich zum Radsupport
an, denn viele Punkte liegen, durch Querstraßen verbunden, nicht weit
auseinander. Die
Strecke war gegenüber dem Vorjahr um einiges verändert, manche
Streckenabschnitte wurden in umgekehrter Richtung gelaufen. Dem Anspruch
„Erlebnismarathon“ wurde sie allemal gerecht, eine bunte Mischung aus
Innenstadt, Wohngebieten, Gewerbegebieten, Landstraße (teils mit
Begegnungsstücken) und Wald ließ nie Langeweile aufkommen. Das im ersten
Viertel der Strecke neu aufgenommene Kreuzviertel gab den Blick frei auf
viele schöne Altbauten, die sicher so manchen „hier würde ich auch
wohnen wollen“-Gedanken aufkommen ließen. Das
offizielle Rahmenprogramm konnte sich auch sehen lassen, viele Musikbands
und Trommeltruppen fanden sich entlang der Strecke ein. Daneben wurden die
Zuschauer mit Tanzdarbietungen unterhalten, von denen die Vorbeilaufenden
allerdings naturgemäß nicht viel zu sehen bekamen. Kurz vor Kilometer 25
dann mein persönliches Highlight: VanMan Jochen Heringhaus unterhielt das
Volk vom Dach seines Vans aus. Im letzten Jahr stand er an derselben
Stelle, da damals aber km 15 und 32,5 markierte. Nur ein Durchlauf dieses
Jahr bedeutete für Jochen: früher Feierabend und für uns: nur ein Mal
Jochen. Die
Zuschauer: Spitze! Was da in Münster an der Strecke unterwegs ist, muß
sich keinesfalls hinter Hamburg, Köln oder Mainz verstecken. Kein
Kilometer Strecke, an dem nicht irgendwo Zuschauer gestanden hätten. Mal
dichter, mal weniger dicht, aber irgendwie und irgendwo immer vorhanden.
In den Wohngebieten saß man mehr in Gartenstühlen beim Bierchen vorm
Haus, viele zusätzlich trommelnd oder mit großen Boxen, die Musik bis
hinten hin aufgedreht, vorm Fenster (in der Stadt hatte ich mal
zwischendurch den Eindruck, die jungen Bewohner genießen es, die Mucke
mal „straffrei“ voll aufdrehen und dazu tanzen zu können – zwei
Fliegen mit einer Klappe geschlagen?!). Brooks als einer der Sponsoren
hatte Schilder verteilt, die viele Zuschauer für „ihre“ LäuferInnen
hochhielten, zusätzlich gab’s natürlich auch wieder massenweise
selbstgemalte Transparente. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir
„Macht den Marathon fertig“ und „Der Schmerz vergeht, der Stolz
bleibt“. Letzteres hielt ein Finisher des Jahres 2002, den man gut an
seinem Shirt erkennen konnte, bei km 37 in die Höhe und er entlockte
damit so manchem ein Lächeln, wo dieses vorher schon vergangen war. Ab km
41 bis ins Ziel standen die Menschen dicht an dicht und klatschten und
riefen auch noch die letzten nach über 5 Stunden ins Ziel. Klasse! Das
lange Spalier begann mit einer Gruppe, die offenbar endlos und vor allem
auch lautstark „hier bleibt keiner, hier bleibt keiner stehn, hier darf
keiner, hier darf keiner gehen“ sang – ich glaube kaum, daß es jemand
fertigbrachte, an dieser Stelle tatsächlich noch zu gehen, auch wenn’s
sicher einigen schwer fiel, wieder anzutraben. Und
dann kam man in die gute Stube Münsters, auf den Prinzipalmarkt. Der
gesamte Zielbereich war von einem Fähnchenhimmel in den Münsteraner
Farben rot, gelb und weiß überdeckt. Mit dem strahlend blauen Himmel darüber
war alleine dieser Anblick jeden der vielen Tausend Schritte wert, die man
auf dem langen Umweg vom Start zum Ziel (auf direktem Weg kommt man mit
nicht mal einem Kilometer hin) zurücklegte. Der ganze Platz war mit
Gittern von der Außenwelt abgeschirmt, so daß die müden Marathonis sich
auf den vielen Bänken ausruhen konnten und bei Wasser, Iso, Cola,
Trinkjoghurt, Orangen und Bananen, eingehüllt in wärmeisolierende Folien
und/oder die in der 2003er Trendfarbe blau gehaltenen Finishershirts den
Lauf Revue passieren lassen und das Gefühl, es geschafft zu haben,
richtig auskosten konnten. Medaillen gab’s natürlich auch und in etwa 8
Wochen erhält jeder Finisher noch seine Urkunde (Soforturkunden konnten
zusätzlich sofort nach dem Lauf mitgenommen werden), das Ergebnisheft –
und eine Video-CD vom Münster-Marathon. Am
Start waren dieses Jahr erstmals auch Rollifahrer. 17 an der Zahl kamen
ins Ziel. Wenn man sich die Ergebnisliste ansieht, wird man erstaunt
feststellen, daß die ersten Drei alle mit derselben Zeit gewertet wurden,
obwohl der Eine oder die Andere eigentlich einzelne Rollifahrer gen Ziel
fahren sah. Auf der Strecke gab es aber mit der Spitze einige Malheure und
so einigte sich das Orgateam darauf, die drei Ersten alle gleich zu
werten. Der örtlichen Münsteraner Presse kann man entnehmen, daß Thomas
Wagner, Thomas Schmicking und Guy Rappé mit dieser Vorgehensweise
durchaus zufrieden sind und sich auch keiner benachteiligt fühlte.
1:25:56 h ist die Endzeit für die 3 Männer, das bedeutet einen Schnitt
von fast 30 km/h. Die einzige Frau am Start hatte leider unterwegs einen
Unfall und konnte das Rennen mit gebrochenem Knöchel nicht beenden. Außer
den normalen Marathonis wurde auch eine Promistaffel auf den Weg
geschickt. Sie bestand aus 43 LäuferInnen, die alle je einen Kilometer
und der Letzte noch 200 m zurücklegten. Den Start übernahm Bürgermeisterin
Karin Reismann, die im Vorjahr zur Premiere noch die ganzen 42,195 km
alleine gelaufen war. Die Staffel lief zugunsten der Dt. Welthungerhilfe,
die auch einen Euro pro Teilnehmer aus dem Topf der Veranstalter bekommt.
Auf der Marathonmesse hatten die Marathonis und ihre Angehörigen die Möglichkeit,
für einen Euro zugunsten der Welthungerhilfe das Endergebnis der Staffel
zu tippen, unter allen Tippern werden Sachpreise verlost. 4:35:08 h war
das Ergebnis der Promis, die von OB Tillmann ins Ziel geführt wurden. Schnellster
Marathoni war auch 2003 wieder ein Pole: Tomasz Chawawko brauchte 2:27:50
h und freute sich über € 1.500 Siegprämie. Bei kleinem Budget für die
Spitzenläufer kommen natürlich weder nationale noch internationale Asse
nach Münster, aber das unterstreicht eigentlich nur den Ruf „von Läufern
für Läufer“, den dieser Marathon sich schon im letzten Jahr erworben
hat. Auch die Zuschauer kommen nicht wegen der Topathleten, sondern wegen
der Breitensportler hinter diesen. Thomas Braun, der das Führungsfahrzeug
fuhr, berichtete, daß das Spalier ab km 41 anfänglich längst nicht so
dicht war wie später. Schon an zweiter Stelle lag dieses Jahr ein
Deutscher. Oliver Lange aus Holzminden lief nach 2:28:06 h auf dem
Prinzipalmarkt ein, 1:19 min nach ihm kam Jalek Kasprzyk aus Krakau über
die Zielmatten. Bei
den Frauen steht die Vorjahressiegerin auch 2003 wieder ganz oben in der
Ergebnisliste: Janina Malska aus Polen unterlief ihre Zeit vom letzten
Jahr mit 2:46:19 h um über 4 min. Erst über 8 min nach ihr kam Magdalena
Lisicka, die auch im letzten Jahr schon Platz 2 belegt hatte, sie brauchte
2:54:27 h für die 42,195 km, die für den Marathoni die Laufwelt
bedeuten. Auf Platz 3 erreichte Christiane Spalleck aus Wilhelmshaven in
2:54:38 h Münsters gute Stube. Ungefähr
1.200 Helfer waren nötig, um diese Veranstaltung zu stemmen, die meisten
davon kommen aus den diversen Vereinen denen die Mitglieder des Orgateams
angehören und dessen privaten Umfeld. Die Hauptlast trägt dabei der LSF
Münster, der zusätzlich auch noch LäuferInnen auf die Strecke schickt.
Alleine im Ziel waren 100 HelferInnen umtriebig, die Hälfte davon kam von
der Bundeswehr. Und
wenn jetzt im nächsten Jahr auch noch die Duschen für alle warmes
Wasser rieseln lassen, gibt’s sicher kaum noch was auszusetzen an diesem
Marathon, der auf jeden Fall eine Reise nach Westfalen wert ist!
für laufreport im September 2003 |
|